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Teixeira: "Mit Braunschweig verbinde ich nur Positives!"

Donnerstag 20.04.2017

Teixeira: "Mit Braunschweig verbinde ich nur Positives!"

Interview mit ehemaligem Löwen-Angreifer Daniel Teixeira

Daniel “Texas” Teixeira ist zu Besuch in Braunschweig. Zur Erklärung für die etwas jüngeren Löwen-Fans: Der gebürtige Brasilianer spielte von 2001 bis 2003 im blau-gelben Trikot und war ein erfolgreicher Stürmer. Mit ihm stieg die Eintracht damals nach neun Jahren Abstinenz wieder in die 2. Bundesliga auf. Da er sich nun mit seinem neuen Arbeitgeber, dem brasilianischen Erstligisten EC Cruzeiro Belo Horizonte, wieder an alter Wirkungsstätte aufhielt, trafen wir uns am gestrigen Mittwoch mit „Texas“ und wollten wissen, wie es dem seit heute 49-Jährigen (an dieser Stelle noch einmal alles Gute zum Geburtstag) in der Zwischenzeit ergangen ist und welche Erinnerungen an Verein und Stadt ihn immer noch begleiten.

Daniel, du bist nicht nur zurück in Deutschland, sondern auch in der Löwenstadt und schaust bei deinem ehemaligen Verein vorbei. Wie kommt es dazu?

Daniel Teixeira: „Seitdem ich 2011 zurück nach Brasilien gegangen bin, war ich ein paar Mal wieder in Deutschland aber nicht in Braunschweig. Jetzt bin ich mit der U19 meines Vereins wieder hier und ich freue mich sehr. Wir haben eine Einladung zu einem Turnier in Düsseldorf erhalten, an dem wir am vergangenen Wochenende teilgenommen haben. Ich habe mir überlegt, wenn man schon den weiten Weg aus Brasilien nach Deutschland unternimmt, dann können wir auch länger bleiben und die Zeit nutzen. Also habe ich Kontakt zur Eintracht und anderen Vereinen aufgenommen, damit wir Freundschaftsspiele bestreiten können. So kam die gestrige Partie gegen die U19 der Löwen zustande“

Du bist als Fußballer viel rumgekommen, hast außerhalb Brasiliens in Japan, Portugal und Deutschland gespielt. Wo hat es dir am besten gefallen und was hat dich geprägt?

Teixeira: „Also die Zeit in Deutschland hat mein Leben schon verändert. Ich war zwölf Jahre in einer wichtigen Entwicklungsphase eines Menschen hier und bin mit einer anderen Mentalität zurück nach Brasilien gekommen – viele positive deutsche Eigenschaften habe ich verinnerlicht.“

Im Sommer 2007 hast du die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Wie ging es für dich nach deiner aktiven Karriere weiter?

Teixeira: „Ich habe meine Karriere bei Union Berlin beendet und danach zwei Jahre in der Geschäftsstelle des Vereins gearbeitet. Im Anschluss habe ich ein Sportmanagement-Studium absolviert. 2011 hat es mich mit meiner Familie zurück nach Brasilien gezogen. Dort mussten wir uns erst einmal wieder eingewöhnen, die Kinder in der Schule anmelden, meine Töchter konnten beispielsweise nicht richtig portugiesisch lesen und schreiben und sind mehr deutsch als brasilianisch. Meine Frau hat dann ein Kosmetikstudio eröffnet, in dem ich sie bei der Verwaltung unterstützt habe. Gleichzeitig bin ich noch mal zur Universität gegangen und habe den Abschluss in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen, den ich bereits vor meiner Karriere in Brasilien begonnen hatte. Seit März 2016 bin ich schließlich wieder bei Cruzeiro Belo Horizonte und Direktor für internationale Beziehungen.“

Du sprichst es an: Du bist in Belo Horizonte geboren, hast bei Cruzeiro deine Karriere gestartet. Jetzt bist du wieder in deiner Heimatstadt und dem Club, bei dem für dich alles begann. Was sind deine jetzigen Aufgaben? Und ist es eine Herzensangelegenheit für dich, wieder bei „deinem“ Verein tätig zu sein?

Teixeira: „Ich habe bei einem ganz kleinen Verein in Belo Horizonte mit dem Fußballspielen begonnen. Mit 17 bin ich zu Cruzeiro gewechselt, habe dort in der Jugend und bei den Profis gespielt. Der Kontakt zum Club ist während meiner Karriere nie abgerissen. Seit 2008 gibt es eine internationale Abteilung, die dafür zuständig ist, den Verein in der ganzen Welt noch bekannter zu machen. Mein Aufgabengebiet ist sehr vielseitig. Zum Beispiel bestehen Austauschprogramme mit Verbänden und Vereinen. Spieler aus der ganzen Welt kommen zu uns und trainieren und wohnen für einen bestimmten Zeitraum bei uns. Zudem organisieren wir internationale Turniere und sind viel unterwegs – die Niederlande, China und Japan sind nur einige Länder, in denen ich mich in den kommenden Monaten mit unseren Nachwuchsteams aufhalten werde. Da möchten wir dann weitere Kontakte herstellen und diese pflegen. Wir haben auch Fußballschulen in anderen Ländern eröffnet, zum Beispiel in Thailand, Chile und den USA. Es gibt also viele Aktivitäten und viel zu tun. Ich fühle mich bei Cruzeiro sehr wohl. Natürlich ist es auch eine Herzensangelegenheit, für den Heimatverein zu arbeiten. Aber auch an meiner Arbeit an sich hänge ich mit meinem Herzen und mache sie sehr gerne.“

Könntest du dir vorstellen noch mal in Deutschland zu leben und zu arbeiten? Oder sind deine brasilianischen Wurzeln zu tief?

Teixeira: „Also momentan bin ich sehr glücklich und zufrieden mit meinem Leben und meinem Job in Brasilien. Von daher gibt es aktuell keine Gedankenspiele, wieder fest nach Deutschland zu kommen. Aber man weiß nie, was passiert.“

Denken die Eintracht-Fans an „Texas“ Teixeira, dann kommen Erinnerungen an deinen Hattrick in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Düsseldorf oder den Aufstieg in die 2. Bundesliga 2002 hoch. Welche Momente auf und neben dem Platz verbindest du mit Braunschweig und den Blau-Gelben?

Teixeira: „Lustig, dass du das Spiel in Düsseldorf ansprichst. Denn am vergangenen Wochenende hat unsere U19 bei dem erwähnten Turnier genau in dem Stadion gespielt, in dem ich damals diesen Hattrick erzielt habe. Natürlich habe ich mich vor Ort direkt daran erinnert. In einem Duell war unser Team auch 0:2 im Rückstand und auf einmal kam Sven Schuchardt – der damals ja auch bei der Eintracht gespielt hat und bei der Partie dabei war – auf mich zu und meinte, dass ich meinen Jungs mal erklären soll, wie man solch eine Begegnung hier noch dreht (lacht). Mit Braunschweig verbinde ich auch ansonsten nur Positives. Ich habe hier viele Freundschaften geschlossen, habe in einem schönen Haus gewohnt, meine älteste Tochter wurde hier geboren und die Erinnerungen an die Spiele mit den Löwen und natürlich an den Aufstieg. Leider konnte ich im letzten Duell damals verletzungsbedingt nicht mitspielen – all das bleibt trotzdem unvergessen. An was ich mich bis heute auch immer noch genau erinnere, sind die Fans in Braunschweig. In der Woche vor dem entscheidenden Aufstiegsspiel gegen Wattenscheid sind sie immer wieder zu mir gekommen und haben mir verdeutlicht, wie wichtig diese Begegnung für alle ist und wie lange sie auf diesen Moment gewartet haben. Ich habe es in ihren Gesichtern gesehen. Dass es dann geklappt hat und auch die Party danach, das war einfach unglaublich.“

Hast du die Löwen und ihren Werdegang in den vergangenen Jahren weiter verfolgt? Was sagst du zu der Entwicklung der Eintracht?

Teixeira: „Heutzutage ist es zum Glück nicht so schwer, dass wir auch in Brasilien Informationen aus Deutschland erhalten können. Ich habe den Weg der Eintracht verfolgt und dieser ist vorbildlich. Als der Verein in die Bundesliga aufgestiegen ist, habe ich mich sehr gefreut. Torsten Lieberknecht macht einen sehr guten Job und es ist unglaublich, wie lange er und das gesamte Trainer-Team mittlerweile bei den Löwen sind. Natürlich freut es mich auch für Alexander Kunze und Jürgen Rische, mit denen ich ja noch zusammengespielt habe. Und auch wenn ich mir das Nachwuchsleistungszentrum hier ansehe, ist es der richtige Weg. Die Nachwuchsarbeit ist sehr wichtig, hier fängt alles an. Ohne diese Struktur, hat ein Club keine Chance auf Erfolg. Daher ist das ein wichtiger Grundstein für die Zukunft. Jetzt kann man nur hoffen, dass die Eintracht wieder aufsteigt – das wäre schön.“

Texas, vielen Dank für das Interview und für deine berufliche sowie private Zukunft wünschen wir dir nur das Beste!


Foto: eintracht.com